Der etwas andere Kleiderguide

Ein praktischer Kleiderguide für Familienfotos in Mannheim

Das hier ist vermutlich nicht der Kleiderguide, den du erwartest.

Du hast vielleicht mit Naturtönen, abgestimmten Outfits und klassischen Moodboards gerechnet.

Möglicherweise fühlt sich das hier ungewohnt an oder passt nicht zu dem, was du suchst.

Und trotzdem könnte das hier etwas in dir berühren, das du erst in vielen Jahren wirklich zu schätzen weißt.

Lass die Helden der Kindheit Teil der Geschichte sein.

Kurz bevor ich zum ersten Mal Mutter wurde, hatte ich dieses sehr klare, sehr ruhige Bild vor Augen: meine Tochter in rostbraunen, ockergelben und beigen Musselin-Kleidchen aus Bio-Baumwolle in ihrem farblich passenden Zimmer.

In meiner Vorstellung war das leicht. Fast selbstverständlich.

Was ich nicht eingeplant hatte, waren die kleinen, lauten, leuchtenden Realitäten, die irgendwann mit am Tisch saßen: Peppa Wutz, Paw Patrol, Elsa und koreanische Dämonenjägerinnen.

Die Musselin-Kleidchen blieben im Schrank. Stattdessen wurden immer wieder die knalligen Shirts mit kunterbunten Prints gewählt, notfalls auch mit Flecken aus dem Wäschekorb.

Da wurden im glitzernden Elsa-Kleid mit ernster Miene Eisblitze in die Luft gezaubert, begleitet von erstaunlich überzeugenden Geräuschen. Titellieder wurden aus vollem Hals gesungen, in Endlosschleife und ohne jede Rücksicht auf Textsicherheit. Und irgendwo dazwischen wurde als Teil der Paw Patrol sehr gewissenhaft die Welt gerettet.

Diese Bilder passen vielleicht nicht zu dem, was ich mir einmal ausgemalt habe. Aber sie können etwas, das kein noch so stimmiges Farbkonzept je schaffen würde: Sie holen mich Jahre später mit voller Wucht zurück zu dieser intensiven, eigensinnigen, urkomischen und vollkommen liebenswerten Version meines Kindes.

Lass los.

Befreie dich.

Eine allzu genaue Vorstellung davon, wie alles aussehen soll, bringt fast automatisch eine gewisse Anspannung mit sich. Wenn Kleidung durchdacht ist, vielleicht sogar extra dafür gekauft, frag dich ehrlich: Kannst du dann wirklich frei und unbeschwert euren Alltag leben und lieben?

Darf dein Kind mit diesen schicken Schuhen mit großem Platsch in die Pfütze springen oder muss es verzichten, nur weil… nein, obwohl die Fotografin da ist? Ist es in Ordnung, wenn die kleinen Patschehändchen gerade jetzt Mama intensiv brauchen, auch wenn sie die feine weiße Bluse trägt?

Und was ist mit all den Momenten, die sich keiner Vorlage fügen: das wilde Chaos, die kindlichen Ideen, die kleine Sauerei, die später in Geschichten verwandelt wird? All das sind Erinnerungen, die kein perfekt abgestimmtes Outfit ersetzen kann.

Was zieht man einem neugeborenen Baby für eine Reportage an?

Ich liebe die Antwort, die so schlicht ist wie wahr: NICHTS. Denn all die zauberhaften Details, die so besonders und zugleich wahnsinnig flüchtig sind, trägt dein Baby schon mit sich.

Diese feinen Hautschüppchen, die sich bald verlieren.
Diese zarten Fältchen, die jetzt noch so weich und hauchdünn wirken und sich mit der Zeit verändern, runder, voller werden.
Diese unfassbar winzigen Fingernägel, so zerbrechlich, dass man sich kaum traut sie zu berühren.

Am Ende ist es also gar nicht die Frage nach dem richtigen Outfit. Sondern die Entscheidung, das festzuhalten, was bereits da ist. Das, was man heute übersieht und morgen schmerzlich vermisst.

Vielleicht fühlt es sich im ersten Moment ungewohnt an, sich so ehrlich zu zeigen. Und doch wirst du irgendwann zurückblicken und zutiefst dankbar sein, dass du nichts versteckt hast.

Dass du es genauso zugelassen hast.